Bunte Projekte

 


Martina Bodenmüller

Diplom-Pädagogin
Gestaltungs-Sozialtherapeutin
wissenschaftliche Autorin

 

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Letzte Aktualisierung:
Oktober 2012


Ein Denkmal für Tile Kolup

Fliesen-Mosaik-Projekt

Erich Schaffner als Tile Kolup bei der DenkmalseinweihungTile Kolup - ein Bettler, der sich im Jahr 1285 in Wetzlar als Kaiser Friedrich der II. ausgab, aber kurz darauf als Ketzer verbrannt wurde, ist in der Wetzlarer Stadtgeschichte ein wenig in Vergessenheit geraten, bis die Wetzlarer Arbeitsloseninitiative e. V. WALI im Jahr 2001 begann, sich mit ihm zu beschäftigten. Wer war dieser Bettler, der den Mut und die Dreistigkeit hatte, sich als der bereits in Italien verstorbene Kaiser Friedrich auszugeben und in Wetzlar als Herrscher einzumarschieren? Und warum wurde er zunächst von den Stadtvätern geduldet, bis das Heer vom nun regierenden Kaiser Rudolf vor Wetzlars Toren stand und seine Auslieferung verlangte? Auf der Suche nach diesen Fragen recherchierten Arbeitsgruppen in der WALI in Stadtarchiv und historischen Dokumenten. In kreativen Gruppen und Workshops wurden ein Großbild gemalt, Theaterstücke entworfen und gespielt, Skulpturen gebaut und historische Umzüge veranstaltet. Die Themenfelder "Armut und Reichtum", "Macht und Ohnmacht" wurden nicht nur in bezug auf damals sondern auch in ihrer heutigen Aktualität bearbeitet und kreativ umgesetzt. So wurden Theaterstücke im Wetzlarer Lottehof und auf der Lahninsel aufgeführt, Recyclingskulpturen ausgestellt u.v.m.

Schließlich entstand die Idee, ein Denkmal für den Bettler zu errichten, der es gewagt hat, den Thron zu besteigen. Auf der Grundlage eines alten Stuhls entstand ein Flammenthron der anregt, das Wort "Denkmal" kann als Aufforderung aufzugefassen: „Denk mal!“ und als Ermunterung zum entsprechenden Handeln. Ein Jeder kann den Thron besteigen und sich darauf setzen (und vielleicht in besonderer Aufmachung fotografieren lassen), er hat Gelegenheit, aus grauem Alltag auszusteigen und sich zu krönen, Gelegenheit, sich seiner Bedeutung klar zu werden und Gedanken darüber zu machen, wohin der Weg führen soll, die Chance, mit der symbolhaften Zepterergreifung sein Schicksal in die Hand zu nehmen und einen emanzipativen Akt zu vollziehen.

Das Zentrum für High Tech und Kultur, ein Gewerbepark auf den ehemaligen Spilburggelände bot seine Logistik und Unterstützung für die Verwirklichung dieses großen Projektes an. Baufirmen aus dem Zentrum für High Tech und Kultur bauten nach den Entwürfen der WALI den "Rohling". Nun ging es an die letzte Projektphase, in der eine Gruppe Erwerbsloser unter meiner Anleitung den Flammenthron mit buntem Fliesen-Mosiak gestaltete und damit "zum Leben erweckten". Hier mussten zunächst die von verschiedenen Firmen gespendeten Fliesen zurechtgeklopft und abgeschliffen werden - eine wahre Fleißarbeit. Dann ging es an die Gestaltung. Stück für Stück arbeitete sich die Gruppe voran: von hinten nach vorn und von oben nach unten nahm der Thron immer mehr farbige Gestalt an. Dabei brachten erwerbslose Fliesenleger/innen genauso ihre Kenntnisse ein wie gestalterisch Interessierte mit dem Sinn fürs Detail und der Fingerfertigkeit für knifflige Stellen. Alle zusammen konnten erleben, wie aus dem weißen Rohling ein strahlendes Denkmal wuchs, an dem jede/r auf seine Weise mitgearbeitet hatte.

Gleichzeitig bereitete sich in der WALI ein Chor auf die Denkmalseinweihung vor, die am 16.11.2005 feierlich und teilweise in historischen Kostümen vollzogen wurde. Das Denkmal steht am Eingang des Wetzlarer Spilburg-Geländes gegenüber Café Bar Springtown und ist für alle Interessierten jederzeit zu besichtigen und zu "besteigen". Weitere Informationen Einladungsflyer mit Chronik der WALI-Projekte zu Tile Kolup und Festrede von Dr. Helmut Scharf.

 

Weitere Informationen zum Thema Erwerbslosigkeit

Auf dieser Seite:
Arbeitslosigkeit (Themeninfo)
Projekt: Mit Kreativität und Eigeninitiative zum Wiedereinstieg in das Berufsleben - Leitfaden für Kulturprojekte
Projekt: Hörspiel Soziale Gerechtigkeit und Hartz IV
Projekt: Skulpturen für Gießen
Projekt: Arbeitslosigkeit als Spiel
Projekt: Theater und Maskenbau mit Erwerbslosen zum Thema Vorurteile
Projekt: Puppenbau und Puppentheaterspiel
Projekt: Gips-Workshop zu beruflichen Wünschen und Perspektiven

Projekt: Anders leben - anders arbeiten

Projekt: Erwerbslosen-Theater


Auf anderen Seiten:
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