Bewegungslandkarte

Stadtteilbefragung und Beteiligungsprojekt für Kinder und Jugendliche im Gießener Flussstraßenviertel

Eine Bank wird fotografiert2017 habe ich im Gießener Quartier „Flussstraßenviertel“ unter dem Titel „Bewegungs­landkarte“ im Auftrag der Stadt Gießen eine Stu­die mit Stadtteilerkundung und Befragung von Kindern und Ju­gendlichen durchge­führt. Ziel war es, einen Ein­blick zu er­halten, wo sich 8- bis 18-Jährige im Viertel aufhal­ten, wel­che Plätze und Orte sie für welche Aktivitäten nut­zen, ob sie sich dort wohlfühlen und was sie sich wünschen. Das Projekt fand in enger Kooperation mit den Einrichtungen im Stadtteil (insbeson­dere Nordstadtzentrum und Quartiersmanage­ment, Jugendzentrum Holzwurm, Werkstatt­kir­c­he, Schulen etc.) statt, so dass auch die Einschätzungen der pädagogischen Fach­kräfte vor Ort einbezogen wurden. Wesentlich war aber auch, mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und ihre Belange und Wünsche "aus erster Hand" zu erfahren.

Zu diesem Ziel habe ich bei Aktionstagen und Stadtteilangeboten Workshops angeboten, bei denen Kinder und Jugendliche ihre Plätze benennen und Wünsche formulieren konnten. Auftakt des Projektes war ein Workshop beim Jugendaktionstag. An einer im Jugendzentrum Holzwurm aufgebauten Station klebten die teilnehmenden Teams Fotos in eine Landkarte und bewerteten die Plätze im Viertel. Bei einem weiteren Workshop beim Spielplatzangebot der Aufsuchenden Arbeit jugend@NORDPOL vom JUZ Holzwurm am Spielplatz Ederstraße kamen zusätzlich auch noch Wünsche dazu.

Mit einer Gruppe von Kindern habe ich eine Stadtteilbegehung gemacht, bei der sie mir verschiedenen Plätze gezeigt haben und wir Lieblingsplätze aber auch herumliegenden Müll und Zerstörung mit Fotokameras festgehalten haben. Außerdem habe ich das Projekt bei den im Stadtteil arbeitenden Einrichtungen vorgestellt.

Beim JugendaktionstagAufgeklebte Stadtteilfotos und EmoticonsSpielplatzworkshopFußball - beliebte Freizeitbeschäftigung in der Nordstadt

Im Verlauf des Projektes führte ich mit 22 Kindern und Jugendlichen Interviews durch, bei denen sie mir viel über ihre Lebenssituation, ihre Freizeitaktivitäten und ihre Wünsche berichteten. Dabei wurde deutlich, dass die meisten hier gerne leben und sich im Viertel wohlfühlen. Die Plätze im Quartier werden von ihnen aktiv und vielfältig genutzt. Viele Kinder und Jugendlichen verbrin­gen ei­nen großen Teil ihrer Frei­zeit drau­ßen und halten sich weit mehr Zeit im Viertel auf als in der Stadt. Sie leben hier gerne, ha­ben aber auch Kritikpunkte und Verän­derungswünsche. So würden sich viele über Erneuerung und Verbesserung der Plätze freuen, möch­ten aber keine grundsätzlichen Veränderungen. Die meisten stört herum­liegender Müll, Glasscherben oder Hundekot auf den Plätzen. Sie setzen sich dafür ein, dass der Bolzplatz an der Ederstraße, der meist aufgesuchte Treffpunkt im Quartier, erhalten bleibt. Außerdem wünschen sich viele Mädchen und Jungen Verschönerungen, Er­neue­rungen und interessantere Spielgeräte. Sie hätten gerne mehr überdachte und für Gruppen ge­eignete Sitzgelegenheiten und Beleuchtung an den Plätzen. Viele halten sich gerne auf den Schulhö­fen auf und wün­schen sich eine Öffnung über die Schulzeiten hinaus.

Kinder bei StadtteilbegehungTranspartent für EderbolzplatzStadtteilbegehung: Klettergerüst wird ausprobiertWünsche Plakat

Die Ergebnisse aus dem Projekt wurden in einem ausführlichen Bericht zusammengefasst und in großformatigen Plakaten visualisiert, die den Kindern und Jugendlichen und außerdem in relevanten Gremien vorgestellt wurden. Abschließend wurden Belange und Wünsche der Kinder und Jugendlichen mit ihnen zusammen in einem Workshop mit Stadträtin Astrid Eibelshäuser den Beteiligten erläutert und ge­meinsam diskutiert. Die meisten Kids sagten zu, dass sie sich gerne an einer Aktion zur Verschönerung des Stadtteils wie zum Beispiel bei Malaktionen oder dem Bau von Sitzbänken beteiligen würden. Dies bietet nun eine gute Grundlage, konkrete Beteiligungsprojekte anzugehen, die die Wünsche der Kinder- und Jugendlichen berücksichtigen und zum Mitmachen und aktiven Gestalten des Stadtteils einladen.

Das Projekt wurde gefördert von:
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